
Betriebsaufgabe statt Verkauf: was Sie verschenken
Bei einer Betriebsaufgabe erhalten Sie den Substanzwert: was Maschinen, Fahrzeuge, Vorräte und Grundstück am Markt noch bringen, abzüglich der Kosten für Abwicklung, Rückbau und Sozialplan. Der Ertragswert Ihres Betriebs, also alles, was Kundenstamm, Auftragsbestand und eingespieltes Team wert sind, fällt ersatzlos weg. Steuerlich wird die Aufgabe wie eine Veräußerung behandelt, Freibetrag und ermäßigter Steuersatz gelten also auch hier. Nur ist der Betrag, auf den sie sich beziehen, deutlich kleiner.
Inhalt
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Der Unterschied in Zahlen
Ein Betrieb mit 200.000 Euro bereinigtem Ergebnis, einem Maschinenpark mit 180.000 Euro Zeitwert und 60.000 Euro Vorräten. Dasselbe Unternehmen, zwei Wege.
Der Abstand ist der Ertragswert, und er ist in dienstleistungsnahen Betrieben am größten. Ein Ingenieurbüro ohne nennenswerte Maschinen hat bei der Aufgabe fast nichts zu verwerten und beim Verkauf einen erheblichen Wert. Bei einem Betrieb mit hohem Anlagevermögen liegen die beiden Zahlen näher beieinander, ohne sich je zu treffen.
Was bei der Aufgabe steuerlich passiert
Eine Betriebsaufgabe wird steuerlich wie ein Verkauf behandelt. Alle stillen Reserven werden in einem Zug aufgedeckt und versteuert, auch wenn kein Käufer sie bezahlt hat.
Das ist der unangenehmste Teil: Wer sein Betriebsgrundstück ins Privatvermögen überführt, weil er es behalten will, versteuert dessen gesamten Wertzuwachs, ohne dass ein Euro fließt. Freibetrag und ermäßigter Steuersatz nach § 16 Abs. 4 und § 34 Abs. 3 EStG gelten zwar auch hier. Die Liquidität für die Steuer muss trotzdem von irgendwoher kommen.
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Wann die Aufgabe trotzdem der richtige Weg ist
Es gibt Fälle, in denen sie die vernünftige Entscheidung ist, und sie sollten nicht aus Trotz vermieden werden.
- Der Ertrag reicht nicht für einen marktüblichen Geschäftsführerlohn. Dann ist der Ertragswert rechnerisch null oder negativ, und es gibt nichts zu verkaufen.
- Der Betrieb hängt an einer persönlichen Zulassung, die nicht übertragbar ist.
- Der Markt für diese Leistung verschwindet absehbar, und jeder Käufer würde das erkennen.
- Das Betriebsgrundstück ist deutlich mehr wert als der Betrieb darauf. Dann verkauft man das Grundstück und gibt den Betrieb auf.
Der Weg dazwischen, den die meisten übersehen
Zwischen Verkauf und Aufgabe liegt eine dritte Möglichkeit: der Verkauf einzelner Werte. Ein Kundenstamm lässt sich getrennt veräußern, ein Wartungsvertragsbestand ebenso, gelegentlich auch das Team im Ganzen. Für einen Wettbewerber am selben Ort ist der Kundenstamm eines aufgebenden Betriebs oft interessanter als der ganze Betrieb mit Halle und Verbindlichkeiten.
Das bringt selten den vollen Ertragswert und regelmäßig ein Vielfaches des Schrottwerts. Wer ohnehin schließen will, verliert nichts, wenn er vorher fragt.
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Die Reihenfolge, die zählt
Die Aufgabe bleibt immer möglich. Der Verkauf nicht: Er braucht Vorlauf, aufbereitete Zahlen und einen Betrieb, der noch läuft. Wer erst den Verkauf versucht und dann aufgibt, verliert Zeit. Wer erst aufgibt, hat die Möglichkeit des Verkaufs endgültig ausgeschlossen.
Häufige Fragen
Wie lange darf sich eine Betriebsaufgabe hinziehen?
Die Abwicklung muss in einem überschaubaren Zeitraum erfolgen, damit sie steuerlich als einheitlicher Aufgabevorgang gilt und die Begünstigungen greifen. Die Rechtsprechung zieht die Grenze im Regelfall bei etwa sechs Monaten, in Ausnahmefällen länger. Zieht sich die Verwertung darüber hinaus, droht die Umqualifizierung in laufenden Gewinn, und damit fällt der ermäßigte Steuersatz weg.
Muss ich die Betriebsaufgabe anmelden?
Sie erklären sie gegenüber dem Finanzamt, üblicherweise über Ihren Steuerberater, mit einem eindeutigen Aufgabestichtag. Dazu kommen Gewerbeabmeldung, Abmeldungen bei Berufsgenossenschaft und Kammer und die Abwicklung der Arbeitsverhältnisse. Der Aufgabestichtag ist steuerlich bedeutsam, weil er das Jahr bestimmt, in dem der gesamte Gewinn anfällt.