
Wenn die Kinder nicht übernehmen wollen
Rund 46 Prozent aller Übergaben gehen inzwischen nicht mehr an die Familie. Wenn Ihre Kinder nicht wollen, sind Sie damit im Normalfall, nicht im Ausnahmefall. Der teure Teil ist nicht die Absage, sondern die Zeit davor: Viele Inhaber warten Jahre auf eine Zusage, die nie kommt, und beginnen die externe Vorbereitung dann unter Zeitdruck. Die gute Nachricht ist, dass fast alles, was eine familieninterne Übergabe vorbereitet, auch für einen externen Verkauf zählt.
Inhalt
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Woran Sie es früh erkennen
Eine klare Absage ist selten. Häufiger ist ein Zustand, der über Jahre andauert und in dem niemand etwas entscheidet.
- Das Kind arbeitet mit, übernimmt aber keine Verantwortung. Wer den Betrieb übernehmen will, will vorher führen. Wer mitarbeitet, ohne zu entscheiden, hat sich bereits entschieden.
- Das Thema wird verschoben. Auf nach dem Studium, nach der Elternzeit, nach dem nächsten Projekt. Drei Verschiebungen sind eine Antwort.
- Zustimmung ohne Fragen. Wer wirklich übernehmen will, fragt nach Zahlen, nach Verbindlichkeiten, nach dem Kaufpreis. Wer nur zustimmt, um niemanden zu enttäuschen, fragt nichts.
Das Gespräch, das ansteht
Es ist einfacher, wenn es nicht als Frage nach Ja oder Nein geführt wird, sondern als Frage nach dem Zeitpunkt. „Ich plane meine Nachfolge und muss in den nächsten zwölf Monaten wissen, in welche Richtung" verlangt eine Antwort, ohne jemanden in die Rolle des Absagenden zu drängen.
Und es hilft, den Alternativweg zu benennen. Ein Kind, das weiß, dass der Betrieb im Fall einer Absage nicht geschlossen, sondern verkauft wird, sagt ehrlicher ab.
Ein Betrieb, der fünf Jahre auf eine familieninterne Lösung wartet, verliert in dieser Zeit meist an Ergebnis, weil Investitionen zurückgestellt werden. Er kommt dann mit schwächeren Zahlen und unter Zeitdruck in einen externen Prozess. Das ist die Konstellation, die den Preis am stärksten drückt.
Was von der Vorbereitung übertragbar ist
Die gute Nachricht dieses Kapitels: Fast alles.
Bleibt wertvoll
- Eine zweite Führungsebene, die den Betrieb ohne Sie führt
- Aufbereitete Zahlen und eine bereinigte Ergebnisrechnung
- Übertragbare Verträge und eine breite Kundenstruktur
- Ein abgebauter Investitionsstau
Das sind exakt die Punkte, die auch den Faktor bestimmen.
Muss neu gedacht werden
- Die steuerliche Gestaltung: Verschonung für Betriebsvermögen greift beim Verkauf nicht
- Die Versorgung: statt laufender Leistungen jetzt ein Kaufpreis nach Steuern
- Die Vertraulichkeit: beim externen Weg erfahren Dritte davon
- Der Zeitplan: sechs bis achtzehn Monate bis zum Notartermin
Das ist Arbeit, aber überschaubare.
Die zehn Fragen, an denen Sie Ihren Stand ablesen: Wann ist mein Betrieb verkaufsreif?
Die Zwischenlösung, die oft übersehen wird
Zwischen „das Kind übernimmt" und „ein Fremder kauft" liegt eine dritte Möglichkeit: Das Kind bleibt Gesellschafter, ohne zu führen. Ein externer Geschäftsführer oder ein Investor mit Mehrheitsbeteiligung übernimmt die Leitung, die Familie behält einen Anteil und den Ertrag.
Das setzt einen Betrieb voraus, der groß genug ist, um eine Fremdgeschäftsführung zu tragen, und eine Familie, die mit einer Minderheitsrolle umgehen kann. Beides ist seltener, als es klingt, und wo es passt, ist es der beste Kompromiss.
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Was Sie Ihren Kindern schulden, und was nicht
Es gehört zur Ehrlichkeit dieses Kapitels, einen Satz zu sagen, der selten geschrieben wird: Ein Unternehmen ist kein Erbstück, das man annehmen muss. Ein Kind, das absagt, handelt nicht undankbar, sondern vermutlich vernünftig, wenn es die Aufgabe nicht will.
Umgekehrt schulden Sie Ihren Kindern eine Entscheidung, und zwar rechtzeitig. Ein Betrieb, der ungeklärt in den Nachlass fällt, wird zu einer Erbengemeinschaft mit einem Unternehmen darin. Das ist für alle Beteiligten die schlechteste aller Lösungen.
Häufige Fragen
Mein Kind ist unsicher. Soll ich Druck machen?
Nein, aber eine Frist setzen. Druck erzeugt Zusagen, die nicht halten, und eine Zusage, die nach der Übergabe zurückgenommen wird, ist schlimmer als eine frühe Absage. Eine Frist dagegen ist fair: Sie sagen, bis wann Sie eine Antwort brauchen, und was Sie tun, wenn sie nicht kommt.
Kann ich parallel extern suchen?
Ja, wenn die Familie es weiß. Eine anonymisierte Ansprache, von der Ihr Kind Kenntnis hat, ist kein Vertrauensbruch, sondern Vorsorge. Ohne dieses Wissen ist sie einer, und das wiegt in der Familie länger als in jedem Kaufvertrag.
Was, wenn mein Kind erst in fünf Jahren so weit wäre?
Dann ist die Frage, ob Sie diese fünf Jahre führen wollen und können. Falls ja, ist es ein guter Plan, und die Zeit lässt sich für den Aufbau einer zweiten Ebene nutzen, die in beiden Szenarien hilft. Falls nein, gibt es Zwischenlösungen: ein angestellter Geschäftsführer auf Zeit, oder ein Verkauf mit Rückbeteiligung der Familie.