
Finanzinvestoren: was Private Equity im Mittelstand sucht
Ein Finanzinvestor kauft Anteile mit fremdem und eigenem Kapital, entwickelt das Unternehmen vier bis sieben Jahre und verkauft es weiter. Er erwartet auf sein eingesetztes Eigenkapital eine zweistellige jährliche Rendite. Daraus folgt alles Übrige: Er braucht ein Unternehmen, das ohne den bisherigen Inhaber läuft, ein belastbares Berichtswesen und eine Geschichte, warum es in fünf Jahren mehr wert sein wird. Klassische Fonds setzen meist ab etwa einer Million Euro Jahresergebnis an, darunter arbeiten Plattformen und Family Offices.
Inhalt
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Wie die Rechnung funktioniert
Der Investor zahlt einen Kaufpreis, von dem ein erheblicher Teil aus Bankdarlehen stammt, die das gekaufte Unternehmen bedient. Das ist der Hebel, und er erklärt, warum Finanzinvestoren auf stabile Erträge so viel Wert legen: Aus dem Ergebnis müssen Zins und Tilgung bezahlt werden.
Die Wertsteigerung kommt dabei aus drei Quellen: aus der Tilgung des Darlehens, aus einem gewachsenen Ergebnis und aus einem höheren Faktor beim Weiterverkauf. Die dritte Quelle ist der Grund, warum Investoren aus kleinen Betrieben Gruppen bauen.
Was das für Sie bedeutet
Was dafür spricht
- Sie zahlen in der Regel zügig und vollständig finanziert
- Der Ablauf ist professionell und vorhersehbar
- Eine Rückbeteiligung kann sich bei einem späteren Weiterverkauf deutlich auszahlen
- Der Betrieb bekommt Kapital für Wachstum, das Sie selbst nicht mehr investieren wollten
Für Betriebe mit Wachstumsspielraum oft der stärkste Preis.
Was dagegen spricht
- Die Prüfung ist die gründlichste aller Käufertypen
- Berichtswesen und Kennzahlensteuerung kommen ins Haus
- Der Betrieb wird in einigen Jahren erneut verkauft, an wen, ist offen
- Ohne belastbares Management nach Ihrem Weggang kommt der Investor gar nicht erst
Wer Kontinuität über Jahrzehnte will, ist hier falsch.
Die Voraussetzung, an der es meistens scheitert
Ein Finanzinvestor kauft kein Unternehmen, das an einer Person hängt, weil diese Person nach der Übergabe geht. Das ist keine Formalie, sondern die härteste Eintrittsbedingung. Ohne eine zweite Führungsebene, die den Betrieb tatsächlich führt, kommt es nicht zum Gespräch, unabhängig vom Ergebnis.
Was sich daran in zwei Jahren ändern lässt: Inhaberabhängigkeit lösen
Wie sachlich man darüber sprechen sollte
Private Equity hat in Deutschland ein Bild, und es ist selten differenziert. Wir halten weder das eine noch das andere für nützlich. Was sich sagen lässt: Ein Finanzinvestor verhält sich vorhersehbar, weil sein Ziel bekannt ist. Er wird das Ergebnis steigern wollen, er wird Kennzahlen einführen, und er wird in einigen Jahren verkaufen.
Diese Vorhersehbarkeit ist in einer Verhandlung nützlicher als Sympathie. Sie wissen, worauf Sie achten müssen: auf die Zusagen zu Standort und Team im Vertrag, auf die Struktur einer Rückbeteiligung und auf die Frage, wer nach Ihrem Weggang den Betrieb führt.
Häufige Fragen
Mein Betrieb ist zu klein für Private Equity. Stimmt das?
Für klassische Fonds meistens ja, die Schwelle liegt üblicherweise bei einer Million Euro Jahresergebnis aufwärts. Unterhalb davon sind andere Akteure aktiv: Buy-and-Build-Plattformen, Family Offices und Beteiligungsgesellschaften mit Mittelstandsfokus. Der Unterschied in der Arbeitsweise ist geringer, als der Größenunterschied vermuten lässt.
Was ist ein Family Office und wie unterscheidet es sich?
Das Vermögen einer oder weniger Familien, häufig aus einem früheren Unternehmensverkauf. Der praktische Unterschied zum Fonds ist die Haltedauer: Ein Family Office muss nicht nach fünf Jahren verkaufen, weil es keinen Fonds mit Laufzeit bedienen muss. Für einen Abgeber, dem Kontinuität wichtig ist, ist das oft die bessere Adresse, auch wenn der Preis gelegentlich etwas niedriger ausfällt.