unternehmen-nachfolger.de
Zwei Gesellschafter Ende fünfzig und Anfang sechzig über Zahlen an einem Besprechungstisch
Symbolbild
Kaufpreis und Vertrag · Kapitel 4 von 6 · 6 Minuten Lesezeit

Gesellschafterdarlehen beim Unternehmensverkauf

Die kurze Antwort

Ein Gesellschafterdarlehen ist eine Forderung von Ihnen gegen Ihre eigene GmbH. Beim Verkauf der Anteile geht diese Forderung nicht automatisch mit: Sie bleibt bei Ihnen, während die Gesellschaft dem Käufer gehört. Geregelt wird das auf einem von drei Wegen. Entweder die Gesellschaft zahlt es vor der Übergabe zurück, oder Sie treten die Forderung gegen Zahlung an den Käufer ab, oder das Darlehen bleibt stehen und wird Teil der Kaufpreisrechnung. Der vierte Weg, der Verzicht, ist steuerlich der ungünstigste.

Von der Redaktion · Zuletzt aktualisiert am 12. September 2026
Inhalt
  1. Warum das überhaupt ein Thema ist
  2. Die vier Wege
  3. Der Nachrang, den viele nicht kennen
  4. Wie es in die Kaufpreisrechnung eingeht
  5. Häufige Fragen

Was Ihr Betrieb heute wert wäre

Eine erste Größenordnung in zwei Minuten, ohne Firmenname und ohne Registrierung. Kostenfrei, und wir melden uns nur, wenn Sie es wollen.

Unternehmenswert berechnen

Warum das überhaupt ein Thema ist

In vielen mittelständischen GmbHs hat der Gesellschafter Geld eingelegt, statt Eigenkapital zu erhöhen: für eine Maschine, zur Überbrückung einer Auftragsflaute, für den Bau einer Halle. Diese Beträge stehen als Verbindlichkeit in der Bilanz und als Forderung in Ihrem Privatvermögen.

Beim Anteilsverkauf verkaufen Sie die Anteile. Das Darlehen ist davon nicht erfasst, und wenn im Vertrag nichts dazu steht, sind Sie nach dem Verkauf Gläubiger eines Unternehmens, das Ihnen nicht mehr gehört.

Die vier Wege

WegWie es läuftSteuerlich
Rückzahlung vor ÜbergabeDie Gesellschaft zahlt das Darlehen zurück, meist aus vorhandener Liquidität. Diese Liquidität fehlt dann in der KaufpreisrechnungRückzahlung des Nennbetrags ist kein Ertrag. Zinsen sind Kapitalerträge
Abtretung an den KäuferSie treten die Forderung ab, der Käufer zahlt Ihnen dafür einen Betrag zusätzlich zum Kaufpreis für die AnteileIn Höhe des Nennwerts unproblematisch. Unterhalb wird es zum Verlustfall
StehenlassenDas Darlehen bleibt, Sie bleiben Gläubiger. Kommt vor, wenn der Käufer die Liquidität schontWie ein Verkäuferdarlehen, aber ohne Sicherheiten aus dem Kaufvertrag
VerzichtSie verzichten auf die Forderung, um die Bilanz zu bereinigenDer nicht werthaltige Teil führt bei der GmbH zu einem steuerpflichtigen Ertrag

Der dritte Weg ist der riskanteste und wird am häufigsten aus Bequemlichkeit gewählt. Wenn das Darlehen stehen bleibt, sollte es wie ein Verkäuferdarlehen behandelt werden, mit Tilgungsplan, Verzinsung und Sicherheiten.

Worauf es bei der Absicherung eines stehen gelassenen Betrags ankommt: Verkäuferdarlehen

Der Nachrang, den viele nicht kennen

Das ist der Grund, warum die Rückzahlung vor der Übergabe die sauberste Lösung ist, wenn die Liquidität es zulässt. Nach dem Verkauf sind Sie zwar kein Gesellschafter mehr, die Anfechtungsfrist wirkt aber zurück.

Wie es in die Kaufpreisrechnung eingeht

Ein Gesellschafterdarlehen ist eine Verbindlichkeit der Gesellschaft und mindert damit den Wert der Anteile. Deshalb ist es für Sie im Ergebnis gleichgültig, ob Sie es getrennt zurückbekommen oder einen entsprechend höheren Kaufpreis erhalten. Wichtig ist nur, dass es an genau einer Stelle berücksichtigt wird und nicht an zweien oder an keiner.

Beide Wege führen zum selben Betrag
Ein Unternehmenswert von 1.000.000 Euro, ein Gesellschafterdarlehen über 150.000 Euro.
Weg A: Kaufpreis Anteile850.000 €
Weg A: Rückzahlung des Darlehens150.000 €
Weg B: Kaufpreis Anteile, Darlehen bleibt in der Gesellschaft850.000 €
Weg B: Abtretung der Forderung an den Käufer150.000 €
Zufluss an Sie in beiden Fällen1.000.000 €

Der Unterschied liegt nicht im Betrag, sondern in der steuerlichen Behandlung und im Zeitpunkt. Die Rückzahlung eines Darlehens ist kein steuerpflichtiger Veräußerungsgewinn, die Kaufpreiszahlung für Anteile schon. Wie sich das in Ihrem Fall auswirkt, gehört vor Vertragsschluss gerechnet.

Ein Punkt, der oft erst im Vertragsentwurf auffällt

Prüfen Sie früh, ob das Darlehen überhaupt schriftlich dokumentiert ist. In vielen Familiengesellschaften stehen solche Beträge nur auf dem Verrechnungskonto, ohne Vertrag, ohne Zins, ohne Fälligkeit. Das ist im laufenden Betrieb unproblematisch und im Verkauf ein Streitpunkt, weil die Forderung dann in Grund und Höhe belegt werden muss.

Häufige Fragen

Kann ich das Darlehen vor dem Verkauf einfach zurückzahlen lassen?

Wenn die Gesellschaft die Liquidität hat und nicht in einer Krise ist, ja. Zwei Dinge sind zu beachten. Erstens fehlt die Liquidität danach in der Kaufpreisrechnung, der Käufer rechnet also mit weniger überschüssigen Mitteln. Zweitens greift die Anfechtungsfrist von einem Jahr, falls die Gesellschaft danach in Insolvenz gerät. Besprechen Sie den Zeitpunkt mit Ihrem Steuerberater.

Was ist mit dem Verrechnungskonto der Geschäftsführung?

Dasselbe Thema in kleiner Form, und es wird in jeder Prüfung angesehen. Offene Salden aus privaten Ausgaben über die Gesellschaft gehören vor der Übergabe ausgeglichen. Bleibt ein Saldo zulasten des Gesellschafters stehen, wird er entweder ausgeglichen oder vom Kaufpreis abgezogen, und im ungünstigen Fall stellt sich die Frage nach einer verdeckten Gewinnausschüttung.